Saeco PicoBaristo Test

Saeco PicoBaristo Test

Saeco PicoBaristo – auf dem Weg zur Oberklasse?

2009 war es soweit.

Philips hatte die italienische Marke Saeco übernommen. Für die Holländer war das ein schlauer Schachzug, denn ihre eigenen Geräte sind für Einsteiger konzipiert. Mit Saeco konnte man so eine Marke dazugewinnen, die auch Produkte für etwas höhere – und teurere – Ansprüche anbietet.

Die Saeco Picobaristo ist eine Mischform der beiden Marken geworden. Preislich liegt sie eher im Philips-Bereich, bei Design und Qualität merkt man ihre Saeco-Wurzeln. Der Anspruch der Maschine ist es, hohe Qualität zu einem mittleren Preis zu bieten.

Wir sind gespannt, ob ihr das gelingt und freuen uns sehr auf diesen Test.

Erster Eindruck

Die Picobaristo macht auf den Produktbildern einen sehr schicken Eindruck. Die Front sieht sehr hochwertig aus und das Spiel mit mattem und glänzendem Edelstahl, kombiniert mit schwarzen Elementen, ist stilvoll. Ebenfalls gut gefällt uns, dass der Milchbehälter integriert ist. So ist die ganze Maschine eine Einheit, die schön kompakt daher kommt.

Das Bedienfeld ist schwarz hinterlegt und grenzt sich so schön vom Rest des Automaten ab. Dort finden Sie zwölf verschiedene Tasten und ein Display.

Die Produktbilder versprechen nicht zu viel, merken wir beim Auspacken. Wir halten eine ansprechende Maschine in den Händen, die in echt genauso aussieht, wie auf den Fotos. Das von uns gewählte Modell wiegt laut Hersteller 8,93 Kilogramm und liegt damit in der Mitte der Maschinen im großen Kaffeevollautomaten-Test. Dank der kompakten Maße von 33 x 42,9 x 21,5 Zentimetern (H x T x B) findet die Picobaristo auch in kleinen Küchen noch einen Platz.

Beim Platzieren in der Küche sollten Sie darauf achten, die rechte Seite der Maschine nicht zuzubauen. Dort befindet sich die entnehmbare Brühgruppe, die Sie des Öfteren zum Reinigen herausnehmen werden.

Die anderen wichtigen Behälter können Sie von vorne und von oben bedienen.

Den Trester und die Abtropfschale können Sie einfach nach vorne wegziehen. Laut Hersteller fängt der Trester den Kaffeesatz von 15 Portionen auf bis er voll ist.

Das Bohnenfach fasst 250 Gramm und ist von rechts oben erreichbar. Der Wasserbehälter liegt auf der linken Seite und ist ebenfalls nach oben abnehmbar. Er kann mit bis zu 1,8 Litern gefüllt werden.

Der Milchbehälter ist vorne links und freut sich über bis zu 0,5 Liter Milch. Ein netter Einfall ist der Henkel, der vorne am Behälter verbaut ist. So können Sie den Behälter leichter aus der Maschine lösen und generell auch besser halten. Wir finden das einen tollen Einfall, auch wenn er unserer Meinung nach die Optik ein bisschen kaputt macht. Er erinnert mehr an einen derben Bierkrug, als an eine elegante Kaffeemaschine.

Der Vollständigkeit halber sei auch das Fach für gemahlenen Kaffee erwähnt. Frisch gemahlener Kaffee ist immer besser, die Maschine hat ja nicht umsonst ein Mahlwerk verpasst bekommen. Aus unserer Sicht ist dieses aber Fach sinnvoll, wenn Sie zwischendurch einmal auf koffeinfreien Kaffee zurückgreifen möchten.

Rein optisch bereichert die Picobaristo die Küche auf jeden Fall. Jetzt testen wir, ob sie auch geschmacklich so gut ist.

Bedienung und Einstellungsmöglichkeiten

Wir müssen zugeben, dass uns die zwölf Tasten auf den ersten Blick etwas abgeschreckt haben. Das Maximum waren bisher sechs Tasten an einer Maschine, häufig sogar nur ein Touchscreen.

Auf den zweiten Blick können wir aber sagen, dass das gesamte Bedienfeld sehr aufgeräumt ist und jede Taste eine sinnvolle Funktion erfüllt. So können Sie über einfachen Tastendruck zwischen den Getränken Espresso, Espresso Lungo, Café Creme, Cappuccino und Latte Macchiato wählen. Zusätzlich gibt es noch die Funktion Menü / Special Drinks. Dort finden Sie beispielsweise noch die Voreinstellung für einen Ristretto, also einen kleinen Espresso.

Sie können alle Getränke Ihren individuellen Wünschen anpassen.

Der Mahlgrad wird direkt im Bohnenbehälter mit einem kleinen Rädchen verstellt und bietet zehn verschiedene Abstufungen. Achten Sie bitte darauf, nicht direkt von der gröbsten zur feinsten Stufe zu verstellen. Sonst können grobe Stücke hängenbleiben, die sich dann verhaken. Bereiten Sie sich lieber nach jedem Verstellen einen Espresso zu. So wird das Mahlwerk geschont. Passen Sie aber bitte auf, dass Sie vor lauter Ausprobieren nicht zehn Espresso am Stück trinken.

Zusätzlich zum Mahlgrad können Sie noch die Wassermenge und die Kaffeestärke programmieren. Das geschieht über die Tasten und das Display an der Front. Die genaue Vorgehensweise erklärt die Bedienungsanleitung sehr gut.

Im Gegensatz zu anderen Vollautomaten, wie bspw. der Melitta Caffeo CI, können Sie bei der Picobaristo nur eine Einstellung pro Getränk speichern.

Auslaufhöhe

Die Auslaufhöhe der Picobaristo ist von 8 bis 16 Zentimeter Höhe verstellbar. Dabei haben die Designer einen kleinen Trick eingearbeitet, denn der eigentliche Auslauf lässt sich abnehmen, um noch mehr Höhe zu erreichen. So finden auch sehr große Gläser Platz.

Diese Funktion gefällt uns sehr gut, denn sie ist nicht nur praktisch, sondern zeugt auch von Einfallsreichtum.

Wasserfilter

Die Picobaristo kommt standardmäßig ohne Wasserfilter zu Ihnen. Dieser kann aber problemlos bei Amazon dazu bestellt werden.

Wir empfehlen Ihnen, einen Wasserfilter zu nutzen. Er zahlt sich auf lange Sicht nicht nur durch eine längere Lebenserwartung der Maschine aus, der Kaffee schmeckt auch besser.

Durch den Filter wird das Wasser von Kalk gereinigt. Das schützt den Automaten vor Ablagerungen. Alternativ können Sie das Wasser auch außerhalb der Maschine filtern, wenn Sie für Ihr normales Trinkwasser schon einen Filter zu Hause haben.

Ob Sie einen Filter dringend brauchen, können Sie bei Ihren Stadtwerken erfragen. Diese teilen Ihnen gerne den Härtegrad Ihres Wassers mit.

Brühgruppe

Die Brühgruppe ist bei der Picobaristo entnehmbar, was die Reinigung ungemein vereinfacht. Zudem können Sie so die Brühgruppe einzeln austauschen, sollte sie wirklich einmal kaputt gehen. Dadurch entfallen das nervige Verpacken und Verschicken des gesamten Automaten.

Die Brühgruppe an sich macht einen soliden Eindruck. Wie auch die Brühgruppen der anderen Geräte im großen Kaffeevollautomaten-Test, ist sie aus stabilem Kunststoff gefertigt.

Mahlwerk und Pumpe

In der Picobaristo ist ein Kegelmahlwerk aus Keramik verbaut.

Mahlwerke aus Keramik haben gegenüber ihren Kollegen aus Edelstahl den Vorteil, dass sie leiser und langlebiger sind. Dafür sind sie aber empfindlicher gegen kleine Verunreinigungen.

Neben Kegelmahlwerken gibt es noch Scheibenmahlwerke. Kegelmahlwerke entwickeln beim Mahlen weniger Hitze und schützen so das Aroma des Kaffees besser. Ein Kegelmahlwerk arbeitet mit einem Kegel, an dem die Kaffeebohnen vorbei gemahlen werden. Sie passieren den Kegel also erst, wenn sie zu einem gleichmäßig feinen Pulver gemahlen wurden. So entsteht eine homogene Masse, die sich sehr gut weiterverarbeiten lässt.

Das feine Pulver wird in der Brühgruppe zu einem Puck geformt, durch den dann das heiße Wasser gepresst wird. An dieser Stelle kommt der viel zitierte Druck des Vollautomaten ins Spiel. Er entsteht, wenn das Wasser auf den Puck trifft. Ein guter Espresso benötigt 9 Bar Druck. Saeco gibt für seine Picobaristo einem maximalen Druck von 15 Bar an. Ein guter Espresso sollte also möglich sein.

Lautstärke

Hauptsächlich ist das Mahlen der Kaffeebohnen für die Lautstärke beim Kaffeekochen verantwortlich. Bei Bezug des Getränkes entsteht auch noch mal ein lautes Geräusch, welches aber meistens leiser ist als das Mahlen vorher.

Für seine Preisklasse ist der Picobaristo angenehm leise. Die richtig leisen Maschinen, wie die Siemens EQ9, gibt es leider erst im höherpreisigen Segment.

Espresso

Nachdem wir uns durch die Funktionen und technischen Details gearbeitet haben, haben wir uns einen Espresso verdient.

Ein Espresso ist für uns ein ideales Testgetränk. Nicht nur, dass wir diese Kaffeespezialität am liebsten trinken, die Zubereitung ist auch die schwerste. Hier kann ein Automat zeigen, was er kann.

Bei der Saeco müssen wir dazu erstmal die Standardeinstellungen anpassen.

Von Haus aus bekommen wir 40 Milliliter eingeschenkt. Das ist deutlich über der idealen Füllmenge von 20 bis 25 Millilitern. Zudem stellen wir den Mahlgrad auf die feinste Stufe und die Stärke auf die höchste.

Jetzt kommt der Espresso so an, wie wir es uns wünschen. Dabei fällt uns noch mal auf, wie angenehm leise die Maschine ist. Außerdem gefällt uns der Klang bei der Zubereitung. Wir haben in vielen Tests schon viele Maschinen gehört und einigen von ihnen hört man ihre schlechte Verarbeitung bei der Zubereitung an. Nicht so bei der Picobaristo. Sie klingt so gut, wie sie auch gebaut ist.

Milchschaum

Nach dem Espresso geht es an ein Milchgetränk, in diesem Fall einen Latte Macchiato.

Was passiert da denn? Bevor der Automat Milch in das Glas füllt, kommt zuerst ein großer Schwall Wasser aus dem Milchbehälter. Das macht keinen guten Eindruck. Anschließend fließt die Milch aber wie sie soll. Nach dem Milchbezug folgt automatisch der Espresso.

Der Schaum hat eine schöne Konsistenz und das fertige Getränk sieht sehr gut aus.

Der erste Schluck ist überraschend heiß. Zu heiß sollte das Getränk aber nicht sein, da sonst die Milch denaturiert wird.

Unser Barista hat eine sehr geschulte Zunge, aber Temperaturen kann sie noch nicht messen. Deshalb helfen wir ihm mit einem Thermometer. Knapp unter 65 Grad hat das Getränk. Damit liegt es unter der Grenze zur Denaturierung. Der Kaffee hat also die perfekte Temperatur, wenn Sie ihn maximal heiß trinken möchten.

Im fertigen Getränk werden Sie den Wasserschub vom Anfang auch nicht mehr merken.

Reinigung

Die Zubereitung eines Milchgetränkes und die Reinigung gehen bei der Saeco Hand in Hand. Direkt nach dem Fertigstellen des Latte Macchiato fragt Sie das Gerät, ob Sie das Milchsystem spülen wollen. Sie haben zehn Sekunden Zeit sich zu entscheiden. Bei dieser Schnellreinigung werden die Milchleitungen der Kanne mit Wasser durchgespült.

Wir finden diese Funktion toll. Wir müssen nichts machen und alles wird sauber. So eine Funktion brauchen wir für unsere gesamte Wohnung.

Unabhängig von dieser Schnellreinigung sollten Sie den Milchbehälter aber täglich per Hand reinigen. Das beugt unschönen Ablagerungen und Bakterien vor.

Dasselbe gilt für den Trester, die Abtropfschale und die Brühgruppe. Diese Bauteile kommen mit Kaffee, Wasser und Wärme in Berührung. Der Schimmel freut sich, wenn sie nicht regelmäßig geputzt werden. Mit einer täglichen Reinigung ist die Hygiene aber kein Problem.

Alle gerade genannten Teile können einzeln entnommen und entsprechend einfach gereinigt werden.

Grundsätzlich reicht dafür das Abspülen mit kaltem Wasser. Bei der Brühgruppe sollten Sie es auch dabei belassen, um Schäden durch einen Schwamm oder Spülmittel zu vermeiden. Den Trester und die Schale können Sie auch mit einem Lappen und bei ganz hartnäckigen Flecken mit etwas Spülmittel reinigen. Da diese Teile nicht mit frischem Kaffee in Kontakt kommen, ist das kein Problem.

Den Milchbehälter können Sie einfach abnehmen und am Ende des Tages einmal mit Wasser ordentlich säubern. So haben Sie lange etwas davon.

Wertung

Wir bewerten die Maschinen in unseren Tests nach zwei Modellen. Zuerst vergeben wir eine Prozentzahl, wie zufrieden wir mit der Eigenschaft waren. Bei 100 Prozent waren wir voll und ganz zufrieden. Anschließend gibt es noch eine Note dazu.

Vorteile Nachteile
Schönes Design Wasser im Milchschaum
Kompakte Abmessungen Nur ein Getränke-Profil programmierbar
Angenehm leise
Einfach zu bedienen
Viele Einstellungsmöglichkeiten

Reinigung

Die Reinigung bewerten wir mit 90 Prozent, was einem „Sehr Gut“ entspricht. Alle wichtigen Teile sind abnehmbar und lassen sich so einzeln reinigen. Zudem spült das System auf Wunsch die Milchleitungen nach jeder Benutzung.

Lautstärke

Ein „Gut“ mit 85 Prozent bekommt die Lautstärke von uns. Für ihre Preisklasse ist die Picobaristo sehr leise. Im Gesamttest liegt sie allerdings nur im oberen Drittel. Da sind andere Maschinen noch deutlich leiser.

Benutzerfreundlichkeit

90 Prozent und „Sehr Gut“ ist unser Urteil für die Benutzerfreundlichkeit. Die Saeco ist einfach zu bedienen und bietet viele Einstellungsmöglichkeiten. Abzüge gibt es, weil nur ein Profil erstellt werden kann.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Wir finden das Preis-Leistungs-Verhältnis „Sehr Gut“ und geben hier 90 Prozent. Preislich liegt die Maschine in der Mittelklasse, bietet aber eine Qualität wie manch andere Maschine in der Oberklasse.

Espressogeschmack

Der Espresso hat uns sehr gut geschmeckt. Entsprechend gibt es hier 90 Prozent und ein „Sehr Gut“. Abzüge gibt es nur für die Voreinstellungen. Die sollten Sie vor der ersten Benutzung anpassen.

Getränkevielfalt

Achtung, Überraschung: 90 Prozent und „Sehr Gut“. Nein, wir sind nicht faul geworden, wir bewerten die Eigenschaften wirklich fast alle mit derselben Note. Die Saeco bietet ein breites Spektrum an Getränken an, bei dem jeder Nutzer fündig wird.

Fazit

Wir hatten viel Spaß im Test mit der Saeco Picobaristo. Dieser Kaffeevollautomat sieht nicht nur schick aus, er leistet auch einiges. Zudem passt er durch seine kompakten Maße in fast jede Küche.

Der Espresso schmeckt – nach den üblichen Anpassungen – sehr lecker. Wir freuen uns darauf, uns mit so einem Shot morgens wach zu machen. Für die gemütlichen Stunden zaubert der Automat auch leckere Milchgetränke mit einem tollen Schaum. Gerade für die kalten Tage ist die Temperatur toll, da uns sofort warm wurde.

Nach der Benutzung, die fast intuitiv abläuft, ist die Reinigung ebenfalls ein Kinderspiel. Die Picobaristo ist somit von Anfang bis Ende ein tolles Gerät.

Mit ihrem aktuellen Preis liegt sie im mittleren Bereich bei den Kaffeevollautomaten. Dafür leistet sie aber deutlich mehr als andere Mittelklasse-Maschinen.

Wer dennoch weniger Geld ausgeben möchte, dem sei die Delonghi Ecam 22110b empfohlen. Diese Maschine hat zwar kein automatisches Milchaufschäumsystem, macht aber trotzdem hervorragenden Kaffee und Milchgetränke.

Wir empfehlen die Saeco Picobaristo aber sehr gerne zum Kauf. Sie erhalten hier eine tolle Maschine mit vielen Einstellungsmöglichkeiten, die intuitiv bedient und einfach gereinigt werden kann.

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